02.08.2012, 10:01
Ralf66 schrieb:Haben wir denn jemals angemessen, nennenswert bezahlt???Sag bloß nicht wieder wir sollen schon wieder für "Die dunkelste Zeit in der Deutschen Geschichte zahlen"
Hat doch fünfzig Jahre gedauert, eh nach zähestem Ringen eine lächerliche Entschädigung für die Zwangsarbeiter beschlossen wurde.
Wir haben bis heute (!) noch nicht mal einen Friedensvertrag mit den damaligen Kriegsgegnern geschlossen, um Reparationszahlungen zu vermeiden.
Womit (West-)Deutschland allerdings kein Problem hatte, war die Aufbauhilfe aus dem Marshallplan anzunehmen, ohne den wir heute wirtschaftlich wahrscheinlich mit Polen konkurrieren würden - und Österreich mit der Slowakei.
Ralf66 schrieb::Richtig, Du warst aber auch noch nicht geboren, als Kopernikus sein Fernrohr erfand, Gutenberg seine erste Bibel druckte, Goethe und Schiller Verse schrieben, Bach und Beethoven komponierten, Lilienthal sich in die Lüfte erhob, Daimler/Benz das erste Auto bauten...
Da war ich noch nicht geboren und bald ist auch keiner mehr da von damals.
Und dennoch wirst Du auf die deutschen Errungenschaften auch aus früheren Zeiten irgendwo ein bisschen stolz sein, und das darfst Du auch - und sollst es auch dürfen!
Ich denk mal, wir sollten uns aber nicht nur die Rosinen aus der Geschichte picken, und es hätte unserem Land sehr gut getan, wenn ÃBERHAUPT mal flächendeckend eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit stattgefunden hätte.
Eine Auseinandersetzung, die über ein "das haben wir nicht gewusst", "was hätten wir machen sollen", "da war ich noch zu klein"⦠hinaus geht.
Unsere Nachkriegspolitiker haben in dem Punkt ja auch fast komplett versagt.
Willy Brandt war da mit seinem Kniefall von Warschau so ziemlich die rühmliche Ausnahme, ich zitiere mal abschließend einen - wie ich finde â gerade eben entdeckten, hervorragenden Kommentar dazu:
"Wenn dieser ⦠für das Verbrechen nicht mitverantwortliche, damals nicht dabeigewesene Mann nun dennoch auf eigenes Betreiben seinen Weg durchs ehemalige Warschauer Ghetto nimmt und dort niederkniet â dann kniet er da also nicht um seinetwillen. Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien â weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland."
So gehtâs also auch.
Ich weiß, das, was ich jetzt hier gerade geschrieben hab, ist nicht sonderlich populär, wars wohl auch nie.
Aber da hab ich nen Lack dran, ist halt meine Meinung.
Grüße, rex

